Das Dilemma der Dreidimensionalität
(c) Gerhard Holischka, 2000


Die Realität Entenhausens ist für uns nur als zweidimensionale Erfahrung erahnbar. Damit wird allerdings nicht Entenhausen in eine untergeordnete Kategorie der möglichen Welten gedrängt sondern es entlarvt sich die Irrmeinung, daß wir Menschen als "dreidimensionale Wesen", die wir auch drei Dimensionen erfahren können, einen breiteren Blick über die Realität haben.

Ganz im Gegenteil:

Wir sehen die Welt Entenhausens immer nur als Außenstehende und unsere komplexeren Möglichkeiten zu "sehen" sind letztlich doch nur hoffnungslose Versuche, in diese scheinbar einfachere - weil nur zweidimensionale - Welt einzudringen. Und wir müssen draußen bleiben - 

- niemals können wir uns unter diese sympathischen Wesen mischen, niemals können wir durch Entenhausen spazieren, niemals dieses Entenhausen, wo sogar das organisierte Verbrechen in Form der Panzerknacker zeitweise Mitgefühl erwecken kann, besuchen, niemals an dieser Welt teilnehmen. 

Unsere dreidimensionale Welt können wir mit allen technischen Möglichkeiten erleben. Mit Flugzeugen die volle Dreidimensionalität ausnützen und die Welt bereisen, aber wir können in die einfachere Welt der Enten und Gänse nicht hinuntersteigen. Wie neugieriges Volk, das verstohlen das Leben der Auserwählten durch die Fenster der Häuser beobachtet, schauen wir den Bewohnern Entenhausen´s in ihrem Alltag zu und werden nie wirklich eindringen.

Wie arm ist doch unsere Welt, die scheinbar alles zuwege bringen kann, aber wo kann ich eine Reise nach Entenhausen buchen ?? Die Dame im Reisebüro schaut mich irgendwie komisch an, als ich nach Entenhausen frage. Und es steht doch groß auf dem Katalog: STÄDTEREISEN.

Ich möchte nicht nur bunte Seiten blättern, ich möchte den Straßenlärm von Entenhausen hören, ich möchte die Abgase vom roten Auto mit dem Kennzeichen 313 einatmen und ich will hören, wie Donald wirklich spricht.

Und dann möchte ich aufs Land zu meinem Freund, den ich so richtig ins Herz geschlossen habe. Ich mag ihn schon so viele Jahre und eigentlich verstehen wir uns schon so gut, aber ich werde nie mit ihm unter einem Baum sitzen können und mit ihm einer Meinung sein über diese Welt. 

Franz Gans weiß nicht einmal, daß es mich gibt. 

Der nur zweidimensionale Franz Gans, der trotzdem soooo dick ist, hat keine Ahnung, wie es in unserer dreidimensionalen Welt zugeht. Und ich bin ihm sein schattiges Plätzchen unter dem Baum so neidig, daß ich mir eigentlich ganz schäbig vorkomme. Alle Abendessen in den Haubenlokalen unserer Welt ließe ich gerne bleiben für die herrlichen Kuchen von Oma Duck. Franz würde mich sicher in die gute Stube von Oma bitten und ich könnte alle Herrlichkeiten aus Oma´s Küche mit Franz teilen - wenn nur diese unüberwindbare Dreidimensionalität nicht wäre.

Eine Welt, in der Franz leben und auf seine Weise arbeiten kann (Bild), muß eine gute Welt sein. Eine Welt, wo sich sogar das Verbrechen in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft organisiert, strahlt eine Geborgenheit aus.

Keine Rede von sozialer Treffsicherheit und alle leben auf ihre Weise in einem bunten Wirtschafts- und Sozialsystem, das wir eigentlich nicht wirklich begreifen. Der Großkapitalist Dagobert Duck und der unbedeutende Beschäftigte in der Landwirtschaft Franz Gans. Alle in einer Welt. 

Irgendetwas machen wir falsch.

Und wenn wir auch noch so globalisieren, wir werden diese Welt nicht an unsere anhängen können.

Wie entkommt man dem dreidimensionalen Wiedergeburtskreislauf ? Was muß man anstellen, um strafweise zweidimensional zu reinkarnieren ? Wer diesbezügliche Erfahrungen hat, soll sich bitte melden


zur D.O.N.A.L.D
(Entenhausen-Forschung)

Der Müßiggänger (zur Philosophie des Franz Gans)

Zurück zur Hauptseite